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Sicher ist sicher!

Briten sind ein sehr vorsichtiges Volk. Sicherheit ist ihnen ausgesprochen wichtig. Ich glaube, sie haben die Redensart ‘Play it safe’ (etwa: ‘Auf Nummer Sicher gehen’) erfunden. Zufällig ist es ein englischer Spruch, also stehen die Chancen gut, dass ich Recht habe.

Ich werd nie begreifen, warum es hier so viele Dinge gibt, die darauf angelegt sind, das Leben der Leute so risikolos wie möglich zu machen. Wie zum Beispiel die neonfarbenen Sicherheitswesten, die hier jeder Radfahrer und Berufskraftfahrer trägt, gemeinsam mit jeder Menge Gärtnern, Müllaufsammlern, Supermarkt-Kassierern und ganz normalen Leuten, die einfach so die Straße entlang laufen. Na klar, wenn ich ein Schülerlotse wäre, würde ich mir so ein Ding auch überwerfen. Aber nur weil ich das Haus frühmorgens vor Sonnenaufgang verlasse, heißt das doch noch lange nicht, dass ich ohne meine Neonweste automatisch von einem Auto überfahren werde! Es sei denn natürlich, dass ich Probleme damit habe, auf Grün zu warten, bevor ich die Straße überquere.

Und was sollen diese Unmengen an Warnschildern? Ich dachte ja eigentlich, wir Deutschen wären die Weltmeister der lächerlichen und überflüssigen Gefahrenschilder à la ‘Gehen Sie nicht zu nahe an den Abgrund heran, Sie könnten hinunterfallen!’. Seht euch mal das hier an:

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'Kilimandscharo-Spielplatz. Alle Kinder, die diesen Spielplatz benutzen, müssen unter elterlicher Aufsicht stehen. Wir empfehlen außerdem, dass der Turm nicht für Kinder unter 5 Jahren geeignet ist.' - Haftungsausschluss auf die Spitze getrieben!

 

Tut mir leid, aber das kleine Monster war noch nicht mal halb so alt als er ganz selbstverständlich auf besagten Turm zurannte und anfing, die Leiter zu besteigen, deren Sprossen etwa halb so hoch waren wie er. Zunächst musste ich ihm noch ein bisschen Unterstützung geben, indem ich meine Hand unter seinen Hosenboden hielt, aber schon bald kletterte er ganz allein bis nach oben und kam auch genauso die echt lange Rutsche wieder runter.

Für ihn war das eine Riesen-Leistung, und entsprechend stolz war er natürlich. Wie komme ich denn dazu, solchen Enthusiasmus zu bremsen, indem ich ihm erkläre, dass er noch gut 2 1/2 Jahre warten müsse? Nur damit der Zoo nicht verklagt werden kann, falls jemals einem Unter-5-Jährigen irgendetwas zustoßen sollte!

Diese Art von Haftungsbegrenzung ist hier unglücklicherweise nur zu verbreitet. Als mich Freunde aus Deutschland letztes Jahr besuchten, mussten wir beinahe einen Sport daraus machen, einen Laden zu finden, der das Babygläschen für ihren Jüngsten mal kurz in die Mikrowelle stellt. In der Regel brauchten wir mehrere Anläufe, und die übliche Ausrede (insbesondere – aber nicht ausschließlich – in Ketten wie Subway oder Burger King) war “Tut mir leid, aber mein Chef erlaubt so etwas nicht, weil er verklagt werden könnte, wenn ich es zu heiß mache und Ihr Kleines sich die Zunge verbrennt”. Echt?! Welche Eltern würden denn 1. die Temperatur nicht testen, bevor sie ihrem Baby etwas füttern, das jemand anderes aufgewärmt hat und 2. die hilfreiche Seele verklagen, die Mitleid mit ihrem hungrigen Kleinkind hatte?

Ich glaube übrigens auch, dass die Inselaffen Helikopter-Eltern erfunden haben. Ihr wisst schon, solche, die ihre lieben Kleinen nie etwas alleine machen lassen, aus Sorge, es könnte etwas passieren. Wenn man sich auch nur mal kurz auf dem Spielplatz auf eine Bank setzt und sein Kind allein herumrennen und die Welt entdecken lässt, bekommt man schon fiese Blicke zugeschmissen. Neulich hatte mein kleines Monster auf dem Nachhauseweg vom Supermarkt einen Trotzanfall (so was soll bei 2-Jährigen vorkommen, hab ich gehört), und ich hatte echt keine Lust, das kreischende, sich windende Etwas hinter mir herzuschleifen. Also lief ich einfach ganz langsam weiter, in dem Wissen, dass er mir letzten Endes doch hinterhergedackelt kommen würde, wie er es immer tut. Bevor das allerdings geschehen konnte, wurde ich von einen mir völlig fremden Mann angeranzt, dem die etwa 30 m Entfernung zwischen uns beiden zu groß schien um sicher zu sein. Sicher wovor ist mir bis heute ein Rätsel, schließlich ist der Fußweg an dieser Stelle mit einem Zaun von der Straße abgeschottet. Ich schätze, ich hätte das kleine Monster an die Leine legen sollen, das wäre ihm eine Lehre gewesen!

Genau wie an dem Tag, als wir ihn mit ins Kindertheater genommen haben. Ok, man könnte natürlich argumentieren, dass ein Noch-nicht-ganz-3-Jähriger eigentlich nicht unbedingt ins Theater mitgeschleppt werden muss, aber ich habe wohl, trotz meiner generellen Großartigkeit, so meine eher fragwürdigen Momente, wie jede andere Mutter auch. Abgesehen davon hatte meine Schwiegermutter wochenlang davon geschwärmt, wie toll diese Kinder-Weihnachtsaufführungen seien, mit lauthals mitsingenden und in den Gängen tanzenden Kiddies. Außer dass es niemandem erlaubt war, sich in den Gängen aufzuhalten. Aus Sicherheitsgründen. Natürlich. Es könnte ja jemand über ihn fallen oder er könnte die Treppen hinunterpurzeln, um Gottes Willen!

Ich hab Neuigkeiten für euch, Leute: Kinder brauchen es, allein herumrennen zu können, sich mal den Kopf zu stoßen oder vom Klettergerüst zu fallen. Das nennt man Abenteuer, und es ist ein integraler Bestandteil des Heranwachsens. Meistens werden sie sich nicht mal (dolle) wehtun, weil ihre Gräten noch so super-elastisch sind. Und es wird ihnen wertvolle Fähigkeiten fürs Leben beibringen. Wie zum Beispiel Risiken richtig einzuschätzen oder herauszufinden, wo ihre Grenzen sind. Diese Grenzen herauszufordern um erfolgreich zu sein. In ihr eigenes Können zu vertrauen und um Hilfe zu bitten, wenn sie mal das Gefühl haben, etwas nicht allein schaffen zu können. Ich bin überzeugt, dass eure Kinder bessere Erwachsene werden, wenn ihr sie nicht ununterbrochen verhätschelt!

Und bitte, versucht nicht ständig, für mich zu entscheiden, was zu gefährlich ist und was nicht! So was macht mich nur rebellisch, und am Ende gehe ich Risiken ein, die ich nicht eingegangen wäre, wenn sie nicht verboten wären.

 

Anmerkung: Eigentlich bin ich gar nicht so eine schlechte Mutter, wie ich mich hier darstelle. Mein kleines Monster darf tatsächlich total risikolose Spiele spielen, ich tröste ihn, wenn er sich weh tut und ich zucke zusammen, wenn er mal wieder völlig unkoordiniert und mit Überlkeit erregender Geschwindigkeit rennt, klettert oder sonstige gewagte Manöver unternimmt. Ich halte ihn nur nicht immer davon ab.

Es könnte sein, dass ich irgendwann schon mal erwähnt habe, wie unglaublich hässlich ich Uggs finde.

Zugegeben, ich bin vermutlich nicht wirklich qualifiziert Modefragen zu diskutieren, schließlich bin ich nicht gerade, was man eine Stilikone nennt. Allerdings verfüge ich über ein gewisses Maß an gesundem Menschenverstand. Und ich bin so anständig, meine Mitmenschen nicht mit unnötigen Geschmacksverirrungen zu quälen.

Unglücklicherweise sind diverse weibliche Inselaffen nicht ganz so rücksichtsvoll. Ganz im Gegenteil, die schiere Menge der Uggs-Träger hier verblüfft mich immer wieder. Ich räume allerdings ein, dass eine derartige Anhäufung schlechten Geschmacks durchaus auch auf die Tatsache zurückzuführen sein könnte, dass ich hier in Essex bin, der sprichwörtlichen Heimat des britischen Prolls.

Ja, ich verstehe natürlich, dass es Winter ist und kalt und ihr euch warm halten wollt und so. Aber warum sehe ich dann die hässlichsten Stiefel in der Geschichte des Schuhwerks so oft in Kombination mit Leggings statt mit richtigen Hosen?

Wie, ihr glaubt mir nicht? Ihr denkt, ich übertreibe? Nun, ich habe unwiderlegbare Beweise zusammengetragen. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Es ist echt kein appetitlicher Anblick.

 

 

Uggs1Hier ist ein Beispiel zur Gewöhnung. Die Jeans gehen sogar, ebenso wie der Rest des Outfits.

Wenn nur nicht diese Stiefel wären! Sind die nicht einfach nur potthässlich? Eine echte Schande für die ansonsten doch recht annehmbare Aufmachung?

Ich gebe gerne zu, dass ihre ulkigen Füße vermutlich die ulkige Form der Botten verursacht haben, und nicht umgekehrt. Aber wäre das nicht ein Grund mehr, vernünftiges Schuhwerk zu tragen?

Okay, die Dinger sind natürlich keine echten UGGs, also könnte ja jemand auf die Idee kommen, die minderwertige Qualität für die Formlosigkeit und Hässlichkeit verantwortlich zu machen. Allerdings…

 

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Allerdings sind diese hier sehr wohl echte Marken-Uggs. Und die Füße dieser Dame knicken ganz genauso anmutig nach innen.

Mal davon abgesehen, dass sie es schafft, das Ganze noch mit einer ausgebeulten roten Hose aufzupeppen, passend zur Jacke ihrer Freundin. Hübsch!

Merke: Uggs in der Farbe schwarz sehen nicht weniger abartig aus als das Original.

 

 

 

 

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Eine Beobachtung, die diese Person hier leider nur bestätigt.

Dieses ausnehmend widerwärtige Ensemble bringt außerdem eine einfache Message sehr überzeugend rüber: Ugg-Träger haben generell ein ziemliches Geschmacksproblem. Tut mir leid, aber das muss mal gesagt werden.

Das ist zweifelsohne das Schlimmste was ich hier bisher zu sehen bekommen habe. Ich darf gar nicht daran denken, dass sie Kinder groß zieht…

*Schauder*

 

 

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Wie auch immer, selbst in der traditionellen ‘Hellbraune Stiefel mit schwarzen Leggings’-Kombo sind Uggs nur grausam.

Dieses Bild illustriert auch eines der Hauptprobleme, die ich mit Uggs habe: Außer den allerdürrsten sehen alle Beine in ihnen regelrecht elefantös aus.

Jaja, ich weiß: Was ist schon gutes Aussehen verglichen mit Bequemlichkeit. Bla-bla. Zwei Dinge:

1. Es gibt tatsächlich bequeme, warme, preiswerte Stiefelmodelle, in denen man nicht aussieht als wäre man im 13. Monat und hätte übelst mit Wasser in den Beinen zu kämpfen.

2. Wenn Uggs so behaglich sind, warum stehen und gehen dann so viele Frauen nicht IN sondern NEBEN ihnen?!

 

Uggs8Hier kann man das Ausmaß des Problems gut erkennen. Ich bin buchstäblich umzingelt von diesen Abscheulichkeiten.

Das Bild unterstützt auch meine Hypothese, dass Ugg-Trägerinnen fundamental geschädigt sind, was ihren Sinn für Anstand betrifft. Wie sonst kommt es, dass so viele von ihnen absolut Nichts dabei finden, die Dinger mit Leggings statt Hosen zu kombinieren? Und einem leicht verlängerten Oberteil, das kaum die riesigen Arschbacken verhüllt!

Ich hoffe dann immer nur, dass die nächste Bö wartet, bis ich weg bin.

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Diese junge Dame hier schafft es sogar fast, dem Ugg-Look etwas Würde zu verleihen. Schließlich ist sie einer der seltenen Fälle, bei dem die Stiefelschäfte nicht an der dicksten Stelle der Wade aufhören, wodurch sie ausnahmsweise nicht aussieht wie eine Seekuh.

Sie beweist auch, dass es nicht unmöglich ist, auf der Sohle zu laufen statt nebenher. Keine einfache Leistung bei Stiefeln, die den Füßen so wenig Halt geben.

Trotzdem, ich kann mich irren, aber sieht ihre Haltung für euch nicht auch irgendwie… schräg aus?

 

 

Ok, seid ihr bereit für mein Lieblingsbild? Oder wollt ihr euch lieber erst setzen?

 

Das bringt ja wohl die ganze Misere auf den Punkt. Es war wie ein Autounfall, ich konnte gar nicht aufhören hinzustarren!

Ernsthaft, denkt ihr nicht auch, dass Uggs einfach verboten gehören?

Und das Allerschlimmste daran? Seht ihr den Mann, der da kurz vor ihr läuft? Der war eigentlich derjenige, der an diesem milden, frühlingshaften Tag mit 16 °C angemessen gekleidet war. Mit anderen Worten, auch der herannahende Frühling wird die Scheußlichkeit namens Uggs wohl nicht ausMärzen können. Britische Mädels sind nämlich bekannt dafür, ihr liebstes ‘Mode’-Accessoire bei wirklich jedem Wetter zu tragen. Argh!

 

 

Neulich habe ich gelesen, dass das Mikroklima in Ugg-Boots außerordentlich förderlich ist für die Entwicklung einiger garstiger Mikroben. Man könnte auch von einem ‘Pilz im Schafspelz’ sprechen. Ich meine, wenn es diesen Damen so egal ist, wie ihr Schuhwerk von außen aussieht, wie sehr werden sie sich dann um das (Achtung: Kalaueralarm!) Innenleben scheren?

Außerdem finde ich es an der Zeit, eine großangelegte Studie zu den Langzeitschäden des Tragens von Schuhen ohne jegliches Fußbett durchzuführen. Plattfüße mit den daraus resultierenden Knie- oder Hüftproblemen klingen für mich gar nicht mal so weit hergeholt.

Und wie kommt es eigentlich, dass ein derartig wasserundichtes Stiefelmodell ausgerechnet hier in Großbritannien, der Heimat von Regen, Niesel, Nebel und sonstigen Niederschlägen, so populär ist?

 

Was denkt ihr? Sind Uggs der Heilige Gral der Bequemlichkeit oder einfach nur ein Verbrechen gegen den guten Geschmack und jeglichen Verstand?

Ich lebe jetzt schon seit fast drei Jahren in Großbritannien, und es gibt eine Sache, die mir immer wieder aufstößt. Ich finde es in höchstem Maße verblüffend, wie paranoid die Inselaffen doch sind.

Kleine Jungen dürfen keine Strumpfhosen tragen oder mit Puppen spielen, denn das machen nur Mädchen. Ausschließlich. Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn dein Sohn so etwas tun würde! Sicher würde sein Pullermann abfallen oder er würde am Ende schwul werden, ganz bestimmt!

Niemand in diesem Land wagt es, irgendjemandem seine Kontoverbindung mitzuteilen, was natürlich für bequeme und schnelle Überweisungen ein K.O.-Kriterium ist. Deshalb sind Schecks hier unfassbarerweise immer noch extrem verbreitet.

Oh, und um Darwins Willen lasst eure Kinder bloß nicht frei und ohne Leine herumrennen, sie könnten von einem Perversling entführt werden.

Tatsächlich lauern heutzutage ja hinter beinahe jeder Ecke irgendwelche Kinderschänder. Ihr solltet euch also wirklich in Acht nehmen!

fotografieren verboten

Ein paar Fotos schießen, wenn das kleine Monster seine ersten, vorsichtigen Badeversuche im Kiddie-Pool der örtlichen Schwimmhalle wagt? Vergiss es! Wer weiß, du könntest ja ganz hinterhältig Bilder von fremden Kindern machen und die ins Internet stellen, du böser, böser Mensch! Sogar beim Schlittschuhlaufen auf der Kunsteisbahn, wo nun wirklich alle dick eingemummelt sind, darfst du keine albernen Fotos von deinen Freunden knipsen. Ja, hast du denn das Schild nicht gesehen?! Außerdem schreiben die Paranoia-Spielregeln auch vor, dass die Kindergarten-Leitung erst das Einverständnis aller Eltern einholen muss, bevor innerhalb einer Gruppe Bilder von den Kindern gemacht und an die Wand gepappt werden dürfen. Unfassbar!

Also meiner nicht übermäßig bescheidenen Meinung nach nehmen die Briten ihre Privatsphäre einfach viiieeel zu wichtig.

Das wichtigste Gerät in unserem Arbeitszimmer ist … Trommelwirbel … ein Schredder! Ganz im Ernst. Ok, ich bin etwas nachsichtig mit ihm, weil er ja in Südafrika aufgewachsen ist, aber mein geliebter Ehemann hätte es am liebsten, wenn ich jedes noch so kleine und harmlose Papierschnipselchen restlos zerstören würde. Sicher, ich würde auch keine kompletten Kontoauszüge im Papier-Recycling-Sack entsorgen, aber einen leeren Briefumschlag schreddern, bloß weil mein Name darauf steht? Es muss doch geschicktere Möglichkeiten geben, meine Identität zu klauen, wenn es denn jemand darauf abgesehen hat.

Ah, Moment! Vielleicht auch nicht. Denn in diesem Land ist es nicht nur unglaublich schwierig die Adresse einer bestimmten Unterkunft zu eruieren, da Straßennamen und Hausnummern in der Regel überaus unauffällig oder überhaupt nicht vorhanden sind. Zu allem Überfluss ist hier auch niemand bereit, seinen Namen an seine Haustür zu schreiben. Niemals.

doorbellDa wo ich herkomme, zeigen die Klingelschilder für gewöhnlich ganz offenherzig die Familiennamen der Bewohner, genauso wie die Briefkästen. Was für eine originelle Idee um sicherzustellen, dass Post auch tatsächlich beim beabsichtigten Empfänger ankommt!

 

Wir wohnen jetzt bereits seit mehr als 2 1/2 Jahren in unserem aktuellen Haus, und wir bekommen immer noch mit schöner Regelmäßigkeit Briefe für vier (4!) verschiedene Vormieter. Mich wundert hier gar nichts mehr!

Und wie immer frage ich mich, warum wir Krauts das Ganze nicht mal annähernd so eng sehen. Ist Identitätsdiebstahl bei uns einfach weniger wahrscheinlich? Oder Kidnapping? Sind wir einfach nur weniger empfänglich für Panikmache durch die Medien? Oder sind deutsche Gefängnisse tatsächlich so viel effektiver als Abschreckung für Möchtegern-Verbrecher?

Vielleicht ist es ja eine Kombination aus all diesen Gründen?

Seit ich dieses Blog gestartet habe, bin ich wiederholt gefragt worden, ob es eigentlich irgendetwas hier in Großbritannien gibt, an dem ich mal nichts auszusetzen habe. Und warum ich immer noch hier lebe, wo ich es doch so sehr hasse.

Ich verrat euch jetzt was. Aber nicht weitersagen! Ich hasse es nicht, unter Briten zu leben. Ich hasse auch die Briten nicht. Sie sind nur manchmal so hervorragende Zicken-Zielscheiben.

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Wer kann zu so viel Liebe schon Nein sagen?

Mit ein bisschen Phantasie könnte man mich und die Briten mit einem alten Ehepaar vergleichen. Das ganze Jahr lang tauschen sie kleine Gemeinheiten aus, ziehen hinter ihrem Rücken gegenseitig übereinander her und machen sich über die Macken und Marotten des anderen lustig. Aber am Valentinstag ist alles anders. Da besorgt er ihr ihre Lieblingspralinen, ohne gleichzeitig einen Seitenhieb auf ihre Taille loszulassen, während sie großzügig darauf verzichtet, sich über seine unangenehmeren Eigenschaften zu echauffieren, wie zum Beispiel das Hinterlassen von Stinkesocken in der gesamten Wohnung.

Ich habe daher beschlossen, im Geiste der allgemeinen Valentinstags-Stimmung das Meckern mal kurz zu unterbrechen und mich statt dessen auf die positiven Seiten des Lebens unter Inselaffen zu konzentrieren. Es gibt da nämlich so einige, wie ich in meinen frühen Blogger-Tagen bereits einmal angedeutet hatte (wenn es euch interessiert oder ihr einfach nur euer Gedächtnis auffrischen wollt, seht euch die Warum Inselaffen?-Seite an).

Seitdem habe ich mir noch ein paar mehr Gedanken zu dem Thema gemacht und habe eine kleine Liste erstellt. Und hier sind sie, in keiner bestimmten Reihenfolge, die Liebenswertigkeiten britischen Lebens:

 

1. Höflichkeit

Ja, das alte Klischee stimmt. Meiner Erfahrung zufolge sind Briten höflicher als der Durchschnitts-Kraut.

In Deutschland soll es schon vorgekommen sein, dass eine Mutter mit Kinderwagen mehrere Minuten am Fuße einer Treppe warten musste, bevor sich eine hilfreiche Seele ihrer erbarmte. Solche Probleme hatte ich hier in Großbritannien noch nie. Meistens gab es gleich mehrere super-freundliche Herren, die sich beinahe um das Privileg geprügelt hätten, mir den Wagen nach oben tragen zu dürfen. Vielleicht fühlten sie sich nur leicht schuldig, weil in London die wenigsten U-Bahn-Stationen mit Rolltreppen oder Fahrstühlen ausgestattet sind?

Aber um der Wahrheit Genüge zu tun, ich habe hier auch schon Leute getroffen, die so unhöflich waren, dass ich mich mit aller Kraft davon abhalten musste, ihnen eine reinzuhauen! Ich schiebe die Schuld daran der Tatsache zu, dass ich in Essex lebe. Das erklärt so Einiges.

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Nach Ihnen bitte! Nein, ich bestehe darauf!

 

2. Ladenöffnungszeiten

Kaum zu glauben, wie oft ich plötzlich ohne eine ganz dolle wichtige Essenszutat dastehe (zum Beispiel weil ich feststelle, dass ich beim letzten Einkauf meine Liste nicht richtig gelesen habe) und es ist kurz nach Ladenschluss. Nicht hier in Großbritannien, haha, denn die Öffnungszeiten hier sind wesentlich nachsichtiger mit meiner Vergesslichkeit. Es ist schon genial, dass ich noch mal schnell rüber zum Supermarkt springen kann, nachdem das kleine Monster im Bett ist, oder dass wir am Sonntag alle als Familie durch Baumärkte oder Möbelgeschäfte schlendern können.

Selbstverständlich bringen solche Öffnungszeiten auch Problemchen mit sich. Erstens trifft es mich jedes Mal etwas unerwartet, wenn ich irgendwo auf einen kleinen Tante-Emma-Laden stoße, der geöffnet hat wie die Läden in meiner Heimat. Dann tue ich immer so als wäre ich zu Hause, was jedenfalls dafür sorgt, dass bei mir kein allzu großes Heimweh aufkommt. Und zweitens ist diese Art von Kundenservice offenbar fragwürdig vom sozialen Standpunkt gesehen. Nun ja, in dem Fall müsst ihr einfach damit leben, dass ich ein egoistisches Schwein ohne soziales Gewissen bin.

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Meine Definition von Paradies!

 

3. Ampeln

Vor einiger Zeit habe ich mich darüber aufgeregt, dass die Inselaffen unheimliche Schwierigkeiten damit haben, rote Fußgängerampeln nicht zu ignorieren. Es gibt da allerdings einen Aspekt britischer Ampeln, den ich sehr begrüßenswert finde, viel besser als die deutsche Lösung. Ich rede davon, dass es hier in aller Regel zusätzliche Ampeln hinter einer Kreuzung gibt.

Gerade neulich, als ich in Deutschland im Auto unterwegs war, hätte ich mir beinahe mal wieder den Hals verrenkt, weil ich sonst nicht mitbekommen hätte, wann die dämliche Ampel auf grün schaltet. Anderseits hätte ich natürlich auch ‘nach Gehör’ fahren können – einfach warten, bis das Auto hinter mir hupt. Die weiter hinten haben für gewöhnlich den besseren Blickwinkel.

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Und hier seht ihr, warum ich normalerweise keine Comics zeichne. Ich kann's einfach nicht.

 

4. Das Wetter

Die Angewohnheit, permanent übers Wetter zu reden, ist allgemein als besonders typische Eigenschaft der Briten anerkannt. Offenbar liegt der Grund für diese Themenvorliebe nicht darin, wie schlecht das Wetter hier ist, sondern wie wechselhaft. Es ist tatsächlich gar nicht ungewöhnlich, Regen, Sonne, Sturm, Hagel und wieder blauen Himmel innerhalb nur eines Tages zu durchleben.

Was allerdings grundsätzlich gar nicht auf der Wetterkarte steht, ist Kälte. Ich meine richtige Kälte. Zugegeben, die Sommer sind hier generell nicht ganz so warm wie in meiner kontinentalen Heimat, aber dafür gibt es hier im Winter auch keine langen und bösartigen Frostperioden so wie die, die meine nicht ausgewanderten Landsleute mehr oder weniger regelmäßig erdulden müssen. Als Faustregel könnte man sagen, dass ich hier zwischen Oktober und März eine Lage weniger anziehen muss als das in Deutschland der Fall wäre. Hoch lebe die golfstromige Milde!

Dass die Inselaffen oftmals bei kühleren Temperaturen nicht in der Lage sind, der Unangenehmheit durch angemessene Kleidung Rechnung zu tragen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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Warum braucht ihr denn hierfür eine Bildunterschrift? Ist das nicht selbsterklärend genug?

 

5. Small talk

Ich weiß, irgendwie klingt das paradox, wo doch die Briten allgemein als recht reserviert charakterisiert werden. Ich persönlich finde es allerdings ungleich einfacher, mit einem Briten ins Gespräch zu kommen als mit Fremden zu Hause. Deutsche tendieren dazu, sich von anderen abzuschotten, wenn sie in der Öffentlichkeit sind. Mit anderen Worten, wenn du zufällig im Flugzeug oder auf einer Parkbank neben einem Deutschen sitzt, ist es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass du in ein Gespräch verwickelt wirst.

Die Inselaffen sind da zum Glück ganz anders. In solchen Situationen werden sie häufig anfangen, mit dir eine Unterhaltung über das Wetter (worüber sonst?) zu führen. Oder das kleine Monster, wenn er in der Nähe ist. Ich mag das. Schließlich sehne ich mich als Hausfrau und Mutter manchmal mehr nach einer erwachsenen Konversation als nach einer Leberwurststulle.

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Dieser Typ würde natürlich jeden Fremden anquatschen, deutsch oder nicht.

 

6. Schlange stehen

Die britische Neigung, ordentliche Schlangen zu bilden, wenn sie für etwas anstehen, wird oftmals von Festlandaffen belächelt. Ich finde sie ehrlich gesagt nur logisch und fair.

Ein Flug mit Ryanair kann beim besten Willen nicht als eine angenehme Erfahrung deklariert werden. Das Frustrationslevel könnte allerdings auf tolerierbarer Höhe gehalten werden, wenn sich alle Mitreisenden so zivilisiert benehmen würden, wie man das von Homo sapiens landläufig erwartet. Wenn aber irgendeine deutsche Tussi sich ganz frech an einem vorbeidrängelt, während man sich schon AUF DER TREPPE befindet, um das Flugzeug zu besteigen, das ist einfach nur unverschämt!

Wie ich darauf komme, dass die Zippe deutsch war, wollt ihr wissen? Ganz einfach, wir sind von Berlin nach London geflogen, und sie war ganz sicher nicht britisch. Sonst hätte sie sich nämlich ganz vernünftig, ohne zu mosern und auf die Uhr zu schauen, angestellt.

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Manche Deutsche könnten sich ruhig eine Scheibe von den Inselaffen abschneiden.

 

Ich bin mir sicher, dass ich noch eine Menge anderer Positivismen finde, wenn ich mir nur mein Gehirn ein wenig mehr zermartere. Aber worüber würde ich dann nächstes Jahr schreiben?

Also höre ich jetzt einfach auf und wünsche euch allen (nachträglich) einen schönen Valentinstag.

Schneemargeddon

Schnee und ich haben eine leicht zwiespältige Beziehung.

 

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Versuch mal, jetzt dein Fahrrad zu benutzen!

Früher hab ich Schnee gehasst. Fragt nicht! In Kürze: Er ist kalt, nass und lästig, wenn man pünktlich irgendwo sein muss. In großen Städten, wie die, in der ich aufgewachsen bin, ist er noch nicht mal hübsch anzusehen, weil er ganz schnell grau wird. Oder gelb. Egal.

Dann kam Lorelai Gilmore, mit der ich mich (insgeheim) ziemlich identifiziert habe, und ihre Liebesaffäre mit Schnee. Etwas später lernte ich meinen Mann kennen mit seiner kindlichen Begeisterung für Schnee und seiner absolut anbetungswürdigen Unfähigkeit das Wort ‘Schnee’ richtig auszusprechen (seine Versuche rangieren irgendwo zwischen ‘Schnääh’ und ‘Schnieh’ – zum Piepen!). Und schließlich kam dann noch mein kleines Monster dazu, und ich sage euch, wer schon mal ein Kind beobachtet hat, das früh aus dem Fenster schaut und überschwänglich “Schnee!!!” ruft vor Freude über den frisch gefallenen, der kann Schnee nicht hassen. Jedenfalls nicht sehr.

Also haben Schnee und ich für den Moment Waffenstillstand vereinbart.

Der allerdings jedes Mal arg strapaziert wird, wenn es hier in Großbritannien schneit.

Zugegeben, das passiert nicht allzu häufig, aber es ist auch nicht ein extrem seltenes Ereignis. Letzten Winter hatten wir drei Mal das zweifelhafte Vergnügen, und in einem dieser Fälle blieb es sogar länger als eine ganze Woche kalt und weiß.

Dieses Jahr hatten wir Glück. Bis letzten Samstag, als es die ganze Nacht hindurch schneite, was uns bis zu 15 cm weißen Fluff bescherte. Und das sofortige Aussetzen sämtlicher Zeichen intelligenten Lebens. Sogar am Montag wurden immer noch 50 % aller Flüge abgeblasen, weil die Landebahnen nicht freigeräumt werden konnten, der Zugverkehr war wegen nicht funtionierender Signale halb lahm gelegt, und es wurden Schulen geschlossen (wirklich?!) – und all das, nachdem der Schnee

  • den größten Teil des Winters erwartet worden war (mit gemischten Gefühlen),
  • für mindestens zwei Tage im Wetterbericht angekündigt wurde und
  • bereits den gesamten Sonntag am Boden gelegen hatte.

OK, ich gebe zu, dass ich tatsächlich etwas beeindruckt war, als in unserer Gegend hier die Hauptstraßen bereits zwei Stunden nach dem Beginn des Schneetreibens gesalzen waren. Ich meine, die Leute fahren immer noch wie Idioten, aber darüber werde ich mich nun wirklich nicht beschweren in Anbetracht der Tatsache, dass so gut wie niemand hier Winterreifen benutzt und man infolgedessen – ganz zu Recht – grundsätzlich etwas besorgt um sein eigenes und anderer Leute Wohlergehen ist.

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Solchen Fahrern würde ich am liebsten...

Was eine interessante Frage aufwirft: Warum zum Henker putzt die Hälfte der Fahrer hier nicht den Schnee von ihren Autos, bevor sie am Straßenverkehr teilnehmen? Faulheit? In Eile? Ehegatte verreist?

Ich hab da so meine Vermutung: Die meisten Inselaffen, die diese Sichtblenden aus Schnee nicht entfernen, können es einfach nicht. Weil britische Autos – aus falschem Optimismus heraus? – normalerweise nicht mit den essentiellen Werkzeugen für ein solches Unterfangen ausgerüstet sind, nämlich Handfeger und Eiskratzer.

Genau wie die meisten Haushalte keine Schneeschippe besitzen. Und wozu auch? Da wo ich herkomme, leben wir nach dem Prinzip ‘Eigentum verpflichtet’. In diesem Fall heißt Eigentümer eines Hauses zu sein, dass man verpflichtet ist, auf dem Gehweg davor für einen schneefreien Pfad von bestimmter Breite zu sorgen. Dieses Prinzip gibt es hier nicht.

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Guten Rutsch!

Stattdessen liegt es in der Verantwortung der Gemeinde, die Gehwege zu räumen, streuen oder salzen. Und das ist die Stelle, wo es albern wird, denn hier auf diesem Bild könnt ihr sehen, wie ein Gehweg aussieht, nachdem die Gemeinde ihrer Verantwortung nachgekommen ist (NICHT!), gefolgt von einem sonnigen Tag mit leichtem Tauwetter und einer anschließenden Nacht mit Minusgraden. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um einen viel benutzten Weg zwischen dem Hauptbahnhof, einem großen Supermarkt und dem Stadtzentrum!

Übrigens, Nebenstraßen und Wohngebiete sehen ziemlich ähnlich aus, außer dass die Straßen normalerweise ein paar nette gefrorene Spurrinnen aufweisen, in denen die Autos nur so dahingleiten, und durch die Fußgänger beim Überqueren der Straße einfach ‘durch müssen’.

Versteht sich von selbst, dass ich mein Fahrrad gar nicht erst vom Schnee zu befreien brauche, schließlich ist es das nutzloseste Fahrzeug der Welt für mich, bevor nicht Petrus ein Einsehen hat und mir ein bisschen Frühling vorbei schickt.

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Deutschland sei Dank für geländegängige Kinderwagen!

Tatsächlich verlasse ich bei solchen Bedingungen das Haus grundsätzlich nicht ohne Kinderwagen. Diese Stütze hat mich bereits mehrfach davor bewahrt, Temperatur und Konsistenz des eisigen Untergrunds mit meinem Hinterteil genauer zu untersuchen. Und natürlich bin ich generell die einzige Wagenschieberin weit und breit, da unser guter deutscher, robuster, breitreifiger Hartan-Buggy so ziemlich das einzige Modell ist, das hier bei Schnee, Eis und Schneematsch nicht die Hacken hochschlägt.

Wie auch immer, natürlich ist nicht alles an diesem Wetter schlecht. In den letzten paar Tagen war ich dankbar für eine Anzahl von Dingen:

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Zum Beispiel haben wir den hier gebaut.

  • Schnee macht Spaaaaßßß! Zum ersten Mal, seit der letztjährige, ziemlich erbärmliche Sommer uns mit dem sprichwörtlichen bristischen Wetter allein gelassen hat, will mein kleines Monster wieder nach draußen gehen. Ständig. Im Schnee herum zu toben ist sogar besser als DVDs zu gucken. Ich bin im Mutter-Himmel!
  • Wenn man es mal geschafft hat unverletzt zum Supermarkt zu schlittern, ist Einkaufen dort gerade ein echtes Vergnügen, da die meisten Leute aus verständlichen Gründen zur Zeit lieber zu Hause bleiben.
  • Bis jetzt hat es noch keine weiteren Schneefälle gegeben, mit anderen Worten, uns ist bisher Level 2 der Komödie namens ‘Schneebedecktes Blitzeis’ erpart geblieben. Ich bin mir sicher, die lokalen Krankenhäuser halten das nicht für einen (Kalauer-Alarm!) Beinbruch.
  • Dank des netten kalten Wetters erfreuen sich zwei meiner allerersten Posts, nämlich Kleine Helden in Strumpfhosen und
    Kleider machen Leute…, wachsender Popularität. Juchu, ich bin ja sooo beliebt…

Danke, Nathan von The Life and Times of Nathan Badley (etwa: Leben und Erlebnisse des Nathan Badley), dass du mich aus einer Zwickmühle befreit hast.

Die letzte Woche habe ich in Deutschland vebracht, unter anderem um Stoff für meinen Sonder-Post zum Valentinstag zu sammeln. Dummerweise war es dadurch etwas schwierig, mich in die richtige Meckerstimmung zu versetzen und rechtzeitig den üblichen Dienstagsbeitrag für mein englisches Blog island monkeys zu produzieren.

Zum Glück bin ich nicht deutsch genug, um wegen dieser Aussicht schlaflose Nächte zu verbringen. Schließlich bin ich davon überzeugt, dass meine treuen Leser den Post dieser Woche auch am Mittwoch oder sogar Donnerstag noch genießen werden.

Blöd nur, dass nach meiner Rückkehr die ‘Stimmung’ immer eine Weile braucht, um so richtig in Schwung zu kommen. Das kann man sich wie eine abwesenheitsbedingte Schreibblockade vorstellen oder eine Muse im Winterschlaf, weil sie zu lange von kompletter Un-Britischheit umgeben war. Ein Artikel über etwas, das mich vor längerer Zeit aufgeregt hat, während ich in Großbritannien weilte, ist einfach nicht dasselbe. Die akute Frustration, der Verdruss und der Ärger, die so wichtig sind für eine bissige Tirade, fehlen dann einfach.

Die andere Variante wäre eine Woche ganz ohne Post gewesen, aber nachdem ich gesehen hatte, wie sehr meine Blogstatistik unter meinem Kurzurlaub in der Sonne neulich gelitten hatte, sah ich das nicht als eine echte Alternative an.

award

So sieht mein Spiegelbild jetzt für mich aus

Auftritt Nathan und mit ihm der ‘One lovely blog’ award (‘Ein wunderbares Blog’-Preis). Mein. Aller. Erster. Blog. Preis. YAY!

Seit ich im November letzten Jahres angefangen habe, dieses Blog zu schreiben, bin ich überzeugt, dass ich früher oder später von den WordPress-Redakteuren entdeckt werde und mein Blog auf der freshly pressed(frisch gepresst)-Seite erscheint. Deshalb habe ich meine Dankesrede für diese Gelegenheit auch schon seit Ewigkeiten in Sack und Tüten. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, mit einer solch wunderbaren Auszeichnung prämiert zu werden.

Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht mal ganz sicher, ob Nathan ernsthaft diese hohe Ehre an MICH weitergeben wollte. Was ist schließlich ‘wunderbar’ an einem Blog, dessen Hauptanliegen es ist, über die unangenehmsten Eigenschaften einer Nation herzuziehen, die zufälligerweise auf ein paar Inseln residiert?

Wie auch immer, ich werde jedenfalls diesen Preis annehmen. Deshalb muss ich jetzt, statt mir ein mäßig witziges Thema für einen Post auszudenken, einfach nur den Regeln im Kleingedruckten der Prämie folgen. Die da lauten:

1. Danke der Person, die dich gekürt hat

Ich weiß nicht mal, ob das wirklich eine formale Auflage ist, aber ich denke doch, dass es zum guten Ton gehört, insbesondere, wenn besagte Person ein so überaus umsichtiges und aufrichtiges Individuum mit einem solch herausragenden Urteilsvermögen ist. Zufällig ist er außerdem ziemlich witzig, also wenn es euch interessiert, und euer Englisch ein wenig hergibt, solltet ihr euch ruhig mal seine Schreibereien ansehen.

2. Enthülle sieben interessante Tatsachen über dich selbst

Viele Blogger beschweren sich über diese Anforderung, insbesondere jene, denen Blog-Preise nur so hinterhergeschmissen werden, und denen daher langsam die Ideen ausgehen, welche Details aus ihrem Leben sie ihrem Publikum noch verraten könnten. Solche Probleme habe ich nicht. Ich rede nämlich gerne über mich selbst. Man könnte sagen, ich genieße es, im Rampenlicht zu stehen. Deshalb mag ich diesen Teil hier auch am liebsten.

Außerdem ist es hilfreich, dass mir einigermaßen egal ist, ob ihr meine Enthüllungen interessant findet oder nicht.

Also bittesehr, hier sind, in keiner besonderen Reihenfolge, meine Fakten:

  • Ich habe super-gelenkinge Füße. Ernsthaft. Fragt meinen Mann, der bestätigt euch das.
  • Ich habe eine schwere Abneigung gegens Kochen. In der Woche muss ich ja, ansonsten würden das kleine Monster und ich wohl verhungern oder noch schlimmer, Fast-Food essen müssen. Zum Glück habe ich einen Mann geheiratet, der am Wochenende liebend gerne die Küche übernimmt, wenn auch nur um seiner eigenen Geschmacksknospen willen. Vielleicht war ja dieses aufopferungsvolle Verhalten sogar die Eigenschaft, die mich ursprünglich dazu bewogen hat, ihn überhaupt zu heiraten, wer weiß?
  • Ich besitze zwei Kindle e-reader. Ihr wisst schon, zum Lesen von elekronischen Büchern. Ich bin nämlich nicht nur unglaublich belesen, sondern auch so großzügig, meinen Mann einen von ihnen benutzen zu lassen. Normalerweise den älteren und klobigeren.
  • Mein Mann ist 5 cm kleiner als ich. Tja, nobody is perfect.
  • Ich besitze keinen iPod. Ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Fall.
  • Ich war mal Berliner Masters-Meister über 200 m Schmetterling, Altersklasse 30 bis 34. Diese Zeiten sind vorbei. Schließlich lebe ich nicht mehr in Berlin, und ich bin auch nicht mehr zwischen 30 und 34.
  • Ich bin Heide, aber ich sehe mir gerne alte Kirchen an. Solche, die auf den Rücken und Geldbeuteln religiöser Menschen errichtet wurden. Was bin ich doch für ein Heuchler!
  • Ich ziehe warmes und regnerisches Wetter eiskaltem und sonnigem Wetter vor. Scheiß Winter.

Ja, ja, ich weiß, das sind schon acht Fakten. Ich hab euch gewarnt, ich rede halt gern über mich selbst.

3. Gib den Preis an zehn andere würdige Blogs weiter

Diese Auflage ist etwas verzwickt, denn durch sie wird aus etwas Wunderbarem – einem Preis für deine Errungenschaften in der hohen Kunst des Schreibens – etwas so Triviales und Nerviges wie ein Kettenbrief. ‘Hey, hast du dieses ätzende, grauenhafte Blog von … gelesen? Sollen wir ihm einen Blog-Preis geben? Dann muss er sich mit all den lästigen Anforderungen herumprügeln, hihi!’

Ich habe daher beschlossen, es anderen vor mir nachzumachen und euch einfach eine (unvollständige) Liste zu geben von (englischsprachigen) Blogs, denen ich folge und die ich unheimlich gern lese. Ich überlasse es den jeweiligen Autoren, ob sie den Preis mitsamt Risiken und Nebenwirkungen akzeptieren wollen.

Rangewriter (etwa: Schreibt über die verschiedensten Dinge): Oft philosophische und immer unterhaltsame und besonnene Posts, aufgelockert durch gelegentliche, sehr gelungene Prosa-Dichtung - Lindas Blog ist einer meiner Favoriten.

Mostly Bright Ideas (‘Überwiegend gute Ideen’): Charles ist ein Meister des Wortes, der die besondere Gabe besitzt, seine Leser zum Nachdenken anzuregen. Ich liebe seine tiefblickenden und weisen Werke.

Phytoplanktonic (Phytoplanktonisch): Laura ist nicht nur wie ich in Großbritannien gestrandet, wir haben auch zusammen Meeresbiologie studiert. Sie bringt erfolgreich ihre Promotion, ihre Liebe für die Natur, Kunst und ihren Freund unter einen Hut und schafft es dabei noch, großartige Blog-Posts über ihre Abenteuer zu schreiben.

Where Do Gaybies Come From? (Woher kommen Gaybys*?): Ich bin die heterosexuelle Mutter eines Sohnes, und ich bin mir der Schwierig- und Merkwürdigkeiten wohl bewusst, die die Erziehung eines Kindes mit sich bringt. Jerry ist der schwule Vater von Zwillingen, die er zusammen mit seinem Partner großzieht. Ich schätze, solcherlei Stoff kann nur verdaut werden mit Hilfe einer großen Portion Humor und durch Teilen seiner Erfahrungen mittels eines – enorm erfolgreichen – Blogs.

Way Too Much Free Time (Viel zu viel Freizeit): Max ist ein urkomischer Blogger, der das Kunststück vollbracht hat mit dem zweiten Post, den er je geschrieben hat,  ’frisch gepresst’ zu werden. So gut ist er. In Anbetracht der ganzen Freizeit die er angeblich hat, ist er erfreulich zurückhaltend mit der Anzahl seiner Posts. Mit anderen Worten, wer ihm folgt, dessen Briefkasten quillt nicht über.

 

So, das war’s für heute. Nächste Woche gibt es wieder einen ganz normalen Mecker-Post. Freut ihr euch auch schon so darauf wie ich?

 

 

* gay = schwul; gayby ist eine Wortschöpfung aus gay + baby

Nach einer Woche wohl verdientem und dringend benötigtem Inselurlaub, flogen wir letzten Donnerstag wieder in Gatwick ein. Da ich ein braves weibliches Wesen bin, und im Gegensatz zum kleinen Monster nicht ausnahmsweise in Windeln steckte, musste ich natürlich mal ganz dringend. Ich meine, Landungsanschnallen und Anstellen um das Flugzeug verlassen zu dürfen, ergo 30 Minuten ohne Zugang zu einem Örtchen, das ist einfach nur unmenschlich! Aber ich schweife ab.

Das echte Grauen kam erst, als ich endlich die erste Flughafentoilette aufgetrieben hatte.

Auf diesem Planeten gibt es ja haufenweise Klodesigns mit fragwürdigen ästhetischen Eigenschaften, und ich fürchte, ich habe sie alle schon mal gesehen (und benutzt): Steh- bzw. Hocktoiletten, Latrinen, Dixi-Klos, Plumpsklos, deutsche Flachspüler (großartig, weil der Popo trocken bleibt, aber eher abartig, was die Geruchsbelästigung angeht), Toiletten, bei denen man das Klopapier in ein daneben stehendes Körbchen schmeißen muss, weil sie sonst verstopfen würden…

Das Schockierende an britischen Toiletten ist allerdings nicht die Schüsselgestaltung, sondern die Spülung. Jedes Mal wenn ich mich in einer Kneipe oder Schwimmhalle, einem Restaurant, Kino, Supermarkt, Park, Einkaufscenter, Flughafen oder sonstigen öffentlichen Ort befinde und ein Bedürfnis verspüre, platze ich bald vor Spannung, was mich denn wohl erwartet.

Unglücklicherweise begrüßt mich in etwa 90 % aller öffentlichen Toiletten ‘Der Hebel’.

 

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'Der Hebel' ist unweigerlich mit einem völlig überdimensionierten Spülkasten verbunden

 

Dieser Anblick verursacht augenblicklich ein Phantomgeräusch in meinem auditiven Kortex, und zwar das charakteristische schrille ‘Psycho’-Jemand-sticht-mit-einem-Riesen-Messer-auf-mich-ein-Thema. Dann muss ich ganz schnell meine mentale Rüstung anlegen, um mein Gehirn vor Überhitzung infolge der Ent-Rüstung über zwei Dinge zu schützen:

1. Ich werde vermutlich mehrfach mit aller Kraft den Griff herunterdrücken müssen, um genug Wasser zu pumpen, damit der Spülmechanismus ausgelöst wird. Ich versuche diesen Teil als Herausforderung zu sehen. Man kann nie zuviel Sport treiben.

2. Wenn die Spülung einmal in Gang gesetzt ist, wird sich der gesamte Spülkasteninhalt komplett in die Schüssel ergießen und mein bescheidenes ‘Klein’ in irrsinnigen Mengen total unnötig verschwendeten Trinkwasssers ertränken. Dieser Teil kotzt mich jedes Mal maßlos an, ganz egal wie dick die Rüstung ist.

Nur zu oft bin ich versucht, überhaupt nicht zu spülen, insbesondere wenn nicht ich, sondern das kleine Monster mit seiner Miniblase der Verursacher ist. Aber dann überlege ich mir, dass ich als Nachfolgenutzer dieses Kabüffchens wohl nicht so begeistert darüber wäre. Also spüle ich. Und versuche nicht zu schreien.

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So eine Toilette hatten wir in den 70ern. So was von letztes Jahrtausend! (Bild: Wikipedia)

Ja klar, wir sind hier auf einer Insel, die, nach dem, was man so hört, von ausgiebigen Niederschlägen heimgesucht wird. Das ist allerdings ein Gerücht. Tatsächlich gibt es in East Anglia, dem Landesteil, in dem ich lebe, weniger jährliche Regenfälle als in meiner Heimatstadt Berlin, und die liegt wiederum in einem der trockensten Gebiete Deutschlands.

Also warum zum Teufel besteht ihr Inselaffen darauf, Spülmechanismen wie zu Zeiten der Erfindung des WCs zu verwenden?!

Da wo ich herkomme, ist es schon seit Jahrzehnten Standard, Toiletten mit Spül-Stopp-Vorrichtungen auszustatten. Je nach Verunreinigunsgrad drückt man einfach den Stopp-Knopf oder bringt den Kippschalter wieder in die Ausgangsposition, sobald die Schüssel sauber ist. Easy.

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Deutsche Toilettenspülungen sind (nicht) zu stoppen! (Bild: Wikipedia)

 

 

 

Ich habe diese logische und simple Lösung noch nie hier in Großbritannien gesehen. Warum, ist mir ehrlich gesagt absolut schleierhaft.

Zugegeben, ab und zu stolpere ich mal über einen modernen Spülkasten mit Zwei-Mengen-Spülautomatik. Damit kannst du zwischen zwei Spülvolumina wählen, und wenn du Glück hast, ist sogar die richtige Menge für deine Bedürnisse darunter.

Hausverwaltung sei Dank sind die Klos in unserem Haus mit diesem raffinierten System ausgestattet. Ansonsten würde ich wahrscheinlich einfach ganz aufhören zu essen und zu trinken, und wer mich kennt, weiß, dass das meine Stimmung gefährlich verschlechtern könnte.

Mal ehrlich, man muss nun wirklich kein Quantenphysiker sein um auszurechnen, dass in einem normalen Haushalt, unter Zugrundelegen der enormen Wasserpreise in East Anglia sich die Installation eines wassersparenden Spülmechanismus schneller amortisiert als man “Weltwirtschaftskrise” sagen kann. Wenn man dann bedenkt, wieviel häufiger öffentliche Lokusse benutzt werden, könnte eine solche Aufrüstung glatt zur Verringerung des Haushaltsdefizits so mancher Gemeindeverwaltung beitragen.

 

Und jetzt fangt bitte bloß nicht an, mich zum umwelttechnischen Aspekt einer solchen Wasserverschwendung zu befragen!

 

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